Das Zanders-Areal ist das größte Stadtentwicklungsprojekt in Bergisch Gladbach. Auf rund 36 Hektar der früheren Papierfabrik mitten in der Stadt soll in den nächsten Jahrzehnten ein neues Quartier entstehen, mit Wohnungen für rund 3.000 Menschen und etwa 3.000 Arbeitsplätzen. Die Stadt hat das Gelände 2017 und 2018 erworben, für rund 25 Millionen Euro. In diesem Jahr ist das Projekt ein gutes Stück vorangekommen, auch wenn die ersten Baufelder noch nicht auf dem Markt sind.
Was beschlossen ist
Im Mai 2026 hat der Stadtrat die städtebauliche Entwicklungsplanung zustimmend zur Kenntnis genommen. Erarbeitet hat sie das Büro Albert Speer und Partner. Sie ist bewusst kein fertiger Masterplan, sondern legt Leitplanken fest, an denen sich Bauleitplanung, Erschließung und Vermarktung orientieren sollen. Vorgesehen ist ein gemischtes Quartier mit Wohnen, Arbeiten, Bildung, Kultur, Freizeit und Versorgung, insgesamt mit rund 380.000 bis 400.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche.
Wohnungen sollen vor allem an den Rändern entstehen, Büros, Dienstleistung, Handwerk, Gastronomie und kleinere Läden im Zentrum. Dazu kommen eine Grundschule, Kitas, ein Supermarkt und Sportangebote. Die Strunde soll offengelegt werden und sichtbar durch das Gelände fließen. Das Quartier ist autoarm geplant, mit mindestens vier Mobilitätsstationen an den Rändern, die einen Großteil der Stellplätze aufnehmen. Zehn denkmalgeschützte Bauwerke bleiben erhalten, darunter die beiden Kamine des Kraftwerks.
Was bereits passiert ist
Seit Mai ist der Gleispark geöffnet, die erste fertige Fläche auf dem Gelände mit Sport, Freizeit und Gastronomie. Die Alte Zentralwerkstatt wird zu einem soziokulturellen Zentrum umgebaut. Geplant sind außerdem der Umzug der Stadtbibliothek in das Gebäude Forum und ein Standort für berufliche Bildung mit den Berufskollegs des Rheinisch-Bergischen Kreises. Seit dem 1. August führt Maike Krallinger die städtische Zanders Entwicklungsgesellschaft. Sie hat angekündigt, Flächen erst dann anzubieten, wenn Baurecht und Erschließung zumindest absehbar sind.
Was als Nächstes kommt
Im Oktober hat der Planungsausschuss einstimmig einen Antrag auf Städtebaufördermittel von insgesamt 57 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Damit sollen unter anderem die neue Stadtbibliothek mit ihrem Umfeld und Grünflächen hinter dem historischen Altstadt-Ensemble finanziert werden. Über jedes einzelne Projekt muss der Stadtrat noch gesondert entscheiden.
Ab Dezember beginnen die Vorbereitungen für den Abriss jüngerer Gebäude auf der Rückseite des Altstadt-Ensembles, der eigentliche Rückbau soll voraussichtlich im Februar 2027 starten. So sollen die denkmalgeschützten Gebäude im Zentrum freigelegt und für Gespräche mit Investoren vorbereitet werden. Die beiden Schornsteine werden derzeit teilweise saniert, weil sich Ziegel gelöst haben. Die Radverbindung quer über das Gelände bleibt bis zum Ende der Arbeiten umgeleitet.
Was das für Wohnen und Gewerbe heißt
Kurzfristig ändert sich am Markt wenig. Baufelder werden erst vermarktet, wenn Bebauungspläne, Erschließung und ein Vermarktungskonzept stehen. Offen ist auch noch, ob die Grundstücke verkauft oder im Erbbaurecht vergeben werden. Was das Erbbaurecht für Käufer und Eigentümer bedeutet, erklären wir in unserem Ratgeber zum Erbbaurecht.
Langfristig verändert das Projekt die Innenstadt von Bergisch Gladbach. Ein neues Quartier mit Bibliothek, Schule, Grün und Arbeitsplätzen direkt neben der Fußgängerzone dürfte aus unserer Sicht die umliegenden Lagen stärken, für Wohnungen ebenso wie für Büros und Läden. Wie sich die Gewerbemieten in der Stadt derzeit entwickeln, lesen Sie in unserer Meldung zu den Gewerbemieten in Bergisch Gladbach. Wir verfolgen das Projekt und berichten, sobald die ersten Flächen angeboten werden.